Zuletzt aktualisiert: 01.09.2026 | Lesezeit: ca. 10 min.

Gásadalur und der Múlafossur: Eine Zeltnacht am Wasserfall

Ein Beitrag von Bjoern Templ

Das Wesentliche in Kürze

Was macht Gásadalur besonders?

Ein Dorf am westlichen Rand der Insel Vágar, das bis Anfang der 2000er keine Straße hatte. Wer weg wollte, ging über einen Pass von mehr als 400 Metern, den alten Postweg Postrutan. Berühmt ist der Ort für den Múlafossur, der direkt von der Klippe ins Meer fällt, mit dem Dorf und den Bergen dahinter. Vom Flughafen Vágar sind es 20 Minuten, am Ende durch einen einspurigen Tunnel ohne Beleuchtung.

16 Einwohner im Dorf
30m Fallhöhe Múlafossur
400m Pass als einziger Landweg
1940 Treppe zum Meer gebaut
Lage:Westen der Insel Vágar am Mykinesfjørður, zwischen Árnafjall und Eysturtindur, Blick nach Mykines
Anreise:20 Minuten ab Flughafen Vágar über Sørvágur und Bøur, Tunnel 1,4 km, einspurig und unbeleuchtet — Auto nötig
Vor Ort:Aussichtspunkt Niðan á Egg mit Holzbank, Treppe hinunter ans Meer, Café Gásadalsgarður, Parken und Toilette kostenlos, kein Laden
Wandern:drei Routen ab dem Dorf: Postrutan nach Bøur sowie nach Víkar und Slættanes, alle als anspruchsvoll eingestuft
Beste Zeit:Juni für Sonne und helle Nächte, ab September wechselhaft mit Chance auf Nordlichter
Übernachten:Múlafossur Cottages am Wasserfall, Gästehaus Gásadalsgarður im Ort

Inhalt

    Mehr Inspiration für deine Färöer-Reise

    Alle Tipps und Highlights für die Färöer Inseln auf einen Blick: Färöer Inseln Guide

    Karte von Gásadalur auf Vágar mit Múlafossur, Aussichtspunkt Niðan á Egg, Treppe von 1940, Parkplätzen und den Wanderwegen nach Bøur, Víkar und Slættanes

    Die Fahrt nach Gásadalur

    Gásadalur

    16 Einwohner am Rand der Insel

    Das Foto, für das ich gekommen bin

    Vom Parkplatz sind es nur ein paar Schritte über einen Schotterweg zum Aussichtspunkt Niðan á Egg. Dort steht eine unscheinbare Holzbank, und von dort hat man diesen Blick, den ich jahrelang im Kopf hatte. Der Múlafossur stürzt über die Kante ins Meer, dahinter liegt das Dorf am Hang, und darüber stehen Árnafjall und Eysturtindur, beide über 700 Meter hoch. Für mich eine der schönsten Aussichten, die der hohe Norden zu bieten hat.


    Blickt man von hier nach Westen aufs Meer hinaus, liegt Mykines vor einem, die westlichste Insel der Färöer, bekannt für ihre Vogelkolonien.

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    Vom Fotografieren an bekannten Orten

    Rund um die Bank hat man ein paar Meter Spielraum für die Perspektive, viel mehr braucht es nicht. Verhangen, grau, dazwischen kurz Licht: genau die Stimmung, in der dieser Ort funktioniert. Bei blauem Himmel wäre ich unzufriedener nach Hause gefahren.


    Heute wäre das Foto allein nicht mehr mein Anspruch. Bekannte Orte so abzulichten, wie sie längst tausendfach existieren, reizt mich kaum noch, mir geht es eher um eigene Motive und Perspektiven. In Gásadalur kommt man aber nicht drum herum, und das ist auch völlig in Ordnung.

    Der Wasserfall Múlafossur stürzt bei bedecktem Himmel von der Klippe ins Meer, dahinter das Dorf Gásadalur auf der Insel Vágar

    Wie das Leben hier gewesen sein muss

    Was mich damals mehr beschäftigt hat als das Motiv, war der Ort selbst. Neben den Häusern liegen ein paar kleine Felder, auf denen früher angebaut wurde, und weiter unten donnert die Brandung gegen die Klippe.

    Wer hier gelebt hat, hatte Sturm, Regen und Nebel, und wer weg wollte, musste zu Fuß über den Berg.

    Das Leben muss hart gewesen sein. Gleichzeitig kann ich mir schwer einen ruhigeren Platz vorstellen, und genau das spürt man dort oben immer noch.

    Von Gásadalur die Klippe hinunter

    Geht man von der Bank weiter, führt eine Treppe die Klippe hinunter, grobe Betonstufen, direkt in den Fels gesetzt.


    Britische Soldaten haben sie 1940 angelegt, während der Besetzung der Färöer im Zweiten Weltkrieg. Unten lag die Anlegestelle des Dorfes, der einzige Zugang zum Wasser. Nur taugte die kaum etwas, weil sie höher liegt als der Strand und die See davor meistens zu rau ist. Wer in Gásadalur fischen wollte, hatte sein Boot drüben bei Bøur liegen und ging dafür über den Pass.


    Nach Süden öffnet sich der Blick Richtung Sørvágsfjørður, auf Tindhólmur mit seinen fünf Zacken und weiter links das Felsentor von Drangarnir. Genau durch diese Schneise fliegen die Maschinen im Landeanflug auf Vágar. Von oben sieht man diesen Teil der Küste nicht.

    Steilküste von Vágar mit Wolken über der Bergkante, im Wasser die dunklen Basaltklippen und rechts hinten das Felsentor von Drangarnir

    Drangarnir

    Von Gásadalur aus gesehen

    Ein Haus in Gásadalur, das sonst niemand von innen sieht

    Dann tritt der Mann ans Fenster und deutet hinaus aufs Meer, auf Mykines. „Dort drüben“, sagt er, „ist 1970 ein Flugzeug abgestürzt.“

    Gásadalur, das Gänsetal

    Woher der Name kommt, ist nicht ganz klar. Die naheliegende Erklärung sind die Wildgänse im Tal, gás heißt Gans und dalur heißt Tal. Die andere ist eine Geschichte.

    Der Überlieferung nach lebte im Mittelalter eine wohlhabende Frau namens Gæsa in Kirkjubøur auf Streymoy, dem damaligen Bischofssitz. Sie aß während der Fastenzeit Fleisch, was streng verboten war, und der Bischof zog daraufhin ihren gesamten Besitz ein. Sie ging nach Vágar und ließ sich in diesem Tal nieder, das seitdem ihren Namen trägt. Die Reste ihres Hofes sollen am Hang noch zu sehen sein.

    Eine Schule statt einer Kirche

    Eine Kirche gibt es in Gásadalur nicht. Stattdessen steht am Rand des Dorfes die alte Schule von 1916, die zugleich als Kapelle dient und Gottesdienste beherbergt. Bei 16 Einwohnern reicht ein Raum für beides.

    Der Stein, um den herum gebaut wurde

    Weiter nördlich liegt der Gráisteinur, der Graustein, unscheinbar in der Wiese. Der Überlieferung nach wohnen darin Huldufólk, das verborgene Volk, und solche Steine räumt man auf den Färöern nicht weg.

    Eine Zeltnacht am Múlafossur

    Am Wasserfall treffe ich am Nachmittag einen Mann bei der Arbeit, offensichtlich einer aus dem Dorf. Ich frage ihn, ob ich hier oben eine Nacht im Zelt bleiben darf, und verspreche ihm, früh zu packen und alles so zu hinterlassen, wie ich es vorgefunden habe. „Kein Problem“, sagt er. Das Zelt schlage ich etwa fünf Meter von der Kante entfernt auf, direkt am Bach, der ein paar Schritte weiter über die Klippe stürzt. Am Abend stehe ich allein an der Klippe und schaue auf den Nordatlantik. Es sind Momente wie dieser, für die sich das Reisen lohnt.

     

    Kleines Zelt am Hang in Gásadalur in der Dämmerung, im Hintergrund die Häuser des Dorfes und die Berge im Dunst

    Dunkel wird es nicht. Die Sonne geht kurz nach halb elf unter, und danach bleibt es dämmrig, bis sie gegen vier wieder hochkommt. Im Juni sieht man auf den Färöern die ganze Nacht, wo man ist.

    Was mir gut im Gedächtnis geblieben ist, ist der Lärm. Die Brandung schlägt unaufhörlich gegen die Klippe, und ich weiß bis heute nicht, wie ich dabei eingeschlafen bin. Dazu der Wind, der am Zelt rüttelt. Irgendwann kommt der Gedanke, dass er das Zelt samt Inhalt über die Kante tragen könnte, der Puls geht kurz hoch, dann schläft man wieder ein. Am nächsten Morgen einen Kaffee am Gaskocher, mit dieser Aussicht.

    Mein Tipp

    Zelten auf den Färöern: immer vorher fragen

    Auf den Färöern ist jeder Quadratmeter Privatbesitz, ein Jedermannsrecht wie in Norwegen gibt es nicht. Wer zelten will, fragt vorher den Grundbesitzer. Dafür braucht es aber auch ein Gespür für die Lage: An einem Ort, an dem sich die Besucher stapeln, fragt man besser gar nicht erst. Ich habe 2017 gefragt und die Erlaubnis bekommen, damals war hier kaum jemand unterwegs. Heute kommen deutlich mehr Leute, und die Locals sollen davon nichts abbekommen.

    Der Wasserfall Múlafossur stürzt über die dunkle Basaltkante, rechts oben steht eine Person am Rand der Klippe

    Múlafossur

    Die beste Reisezeit für Gásadalur

    Eine schlechte Jahreszeit für Gásadalur gibt es nicht, wohl aber sehr unterschiedliches Wetter. Im Juni stehen die Chancen auf Sonne am besten, und nachts wird es nicht mehr richtig dunkel. Dafür teilt man den Aussichtspunkt im Sommer mit deutlich mehr Leuten.


    Ab September wird es wechselhafter. Schwere Wolken ziehen über die Berge, der Wind nimmt zu, und die Nächte werden wieder dunkel. Wenn dann alles zusammenpasst, klarer Himmel und genug Aktivität, hat man hier den Winter über sogar Chancen auf Nordlichter, obwohl die Färöer deutlich südlich des Polarkreises und des Nordlichtovals liegen.

    In Gásadalur übernachten

    Ich hatte damals mein Zelt dabei. Wer es bequemer will, hat im Ort trotzdem eine Möglichkeit, und zwar eine ziemlich gute. Die Múlafossur Cottages liegen keine fünf Minuten vom Wasserfall entfernt, am Bach, der weiter unten über die Klippe stürzt. Sechs kleine Häuser mit Grasdach, alle ähnlich, aber unterschiedlich geschnitten.


    Der Vorteil liegt auf der Hand: Wer hier schläft, hat den Aussichtspunkt morgens und abends fast für sich, wenn die Tagesgäste weg sind.

    Múlafossur Cottages mit Grasdach in Gásadalur auf den Färöern Am Wasserfall

    Ferienhaus · Gásadalur · 9,5

    Múlafossur Cottages

    Sechs kleine Häuser mit Grasdach, direkt am Bach, der ein Stück weiter über die Klippe stürzt. Jedes mit Terrasse und Blick aufs Meer, eigener Küche und Bad. Keine Fernseher, dafür Schafe und Vögel vor der Tür. Die Besitzer wohnen in Sørvágur, eine Viertelstunde entfernt.

    • Múlafossur500 m
    • Flughafen Vágar9 km
    • Küche, Terrasse mit Meerblick, WLAN, Parkplatz
    • Lage Ruhig, abgelegen, mit Blick über die Klippen.
    • Häuser Durchdacht eingerichtet, sauber, gemütlich.
    • Gastgeber Herzlich, mit vielen Tipps für die Inseln.
    Fazit

    Am westlichen Rand der Färöer

    Mehr als nur ein Fotomotiv

    Die meisten kommen für dieses eine Bild, und das ist völlig in Ordnung, ich bin selbst deshalb hier gelandet. Wer aber ein paar Stunden bleibt, findet einen Ort, der lange ohne Straße auskommen musste, mit einem Stein, um den herum gebaut wurde, und sechzehn Menschen, die hier immer noch leben. Gásadalur war einer der Gründe, warum mich der Norden nicht mehr loslässt. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

    — Bjoern Templ, geschrieben in Wengen

    Häufige Fragen zu Gásadalur

    Gásadalur liegt im Westen der Insel Vágar, am Mykinesfjørður und umgeben von den höchsten Bergen der Insel. Der Ort gehört zur Kommune Sørvágur und hat 16 Einwohner.

    Mit dem Mietwagen vom Flughafen Vágar in etwa 20 Minuten, über Sørvágur und Bøur und am Ende durch den Tunnel. Von Tórshavn sind es rund 50 Minuten, von Klaksvík etwa eineinhalb Stunden. Der öffentliche Verkehr in das Dorf ist sehr eingeschränkt, ein eigenes Auto ist deutlich einfacher.

    Gásadalur heißt übersetzt Gänsetal, von gás für Gans und dalur für Tal. Eine zweite Erklärung führt den Namen auf eine Frau namens Gæsa zurück, die sich der Überlieferung nach im Mittelalter hier niederließ.

    Der Múlafossur fällt über 30 Meter direkt von der Klippe ins Meer. Der bekannte Blick auf Wasserfall und Dorf zählt zu den meistfotografierten Motiven der Färöer.

    Nein, das Parken ist kostenlos, ebenso die öffentliche Toilette im Ort. Vom Parkplatz sind es nur wenige Minuten zu Fuß bis zum Aussichtspunkt.

    Im Ort gibt es das Gásadalsgarður, ein Café und Gästehaus, das von einer Familie aus dem Dorf betrieben wird. Einen Lebensmittelladen gibt es nicht, eingekauft wird in Sørvágur.

    Ja, drei Routen führen aus dem Dorf. Nach Bøur über den alten Postweg Postrutan sowie nach Norden zu den verlassenen Dörfern Víkar und Slættanes. Alle drei sind offiziell als anspruchsvoll eingestuft, Stufe 3 von 4.

    Nein. Auf der offiziellen Infotafel vor Ort ist der Einsatz von Drohnen untersagt. Ebenso gilt, auf den ausgewiesenen Wegen zu bleiben, Abstand zur Klippenkante zu halten und die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren.

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