Zuletzt aktualisiert: 10.08.2026 | Lesezeit: ca. 13 min.

Norwegens Fjorde im Norden: vier Fjorde zwischen Lofoten und Nord-Troms

Ein Beitrag von Bjoern Templ

Das Wesentliche in Kürze

Welche Fjorde lohnen sich in Nordnorwegen?

Vier zwischen Lofoten und Nord-Troms: der Reinefjord, der am schönsten vom Reinebringen aus zu sehen ist. Der schmale Trollfjord mit tausend Metern Fels darüber. Der Lyngenfjord, an dem vergletscherte Gipfel bis 1.833 Meter fast direkt aus dem Wasser steigen. Und der Kvænangen, in den im Winter die Orcas ziehen. Die Rekorde bei Länge und Tiefe hält der Süden — der Norden punktet mit Licht, Tieren und sehr wenigen Menschen.

Reinefjord:keine Straße, dafür ein öffentliches Schnellboot ab Reine nach Rostad, Kirkefjord und Vindstad
Trollfjord:zwei Kilometer lang, höchstens 70 Meter tief, darüber der Trolltindan mit 1.045 Metern — Touren ab Svolvær
Lyngenfjord:121 Kilometer lang, nach dem Porsangerfjord der zweitlängste Nordnorwegens, dazu die Lyngenalpen
Kvænangen:Orca-Touren ab Skjervøy, im Jøkelfjord ein Gletscher bis ans Wasser — 0,5 Einwohner pro Quadratkilometer
Beste Zeit:Winter für Wale, Nordlichter und Skitouren, Sommer für Wandern, Campen und Mitternachtssonne

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Inhalt

    Karte Nordnorwegens mit den vier Fjorden Reinefjord, Trollfjord, Lyngenfjord und Kvænangen zwischen Lofoten und Nord-Troms, dazu E6 und E10, Polarkreis und die wichtigsten Orte

    Was ist ein Fjord?

    Infografik zur Entstehung eines Fjords: links ein Gletscher, der ein u-förmiges Tal ausschleift, rechts dasselbe Tal nach dem Abschmelzen mit Meerwasser gefüllt

    Was die Fjorde im Norden anders macht

    Der Unterschied fängt beim Eis an. Ein Fjord wird so tief, wie der Gletscher mächtig war, der ihn ausgeschliffen hat — und die mächtigsten Eismassen lagen dort, wo die höchsten Berge stehen.

    Warum der Süden die Rekorde hat

    Jotunheimen mit Gipfeln über 2.000 Metern, dahinter der Jostedalsbreen, davor der Sognefjord mit 1.308 Metern Tiefe und 205 Kilometern Länge. Diese Superlative liegen alle im Süden, und daran ändert sich nichts. Der Norden hat durchaus große Fjorde — der Lyngenfjord kommt auf 121 Kilometer —, aber die Bestwerte holt er nicht. Wer mit dem Zollstock vergleicht, findet hier nichts, was Geiranger schlägt.

    Was der Norden dafür hat

    Im Norden wird nicht mit dem Zollstock gemessen. Was hier zählt, ist die Lage: nördlich des Polarkreises. Das bringt Licht, das es weiter südlich nicht gibt — im Sommer Wochen ohne Nacht, im Winter Wochen ohne richtigen Tag, dazwischen Stunden in Blau und Rosa. Es bringt Nordlicht über dem Wasser. Und es bringt im Winter die Heringsschwärme in die Fjorde, und mit ihnen Orcas und Buckelwale.


    Dazu kommt der einfachste Vorteil: weniger Menschen. Der Norden ist weit weg, dünn besiedelt und steht auf kaum einer Standardroute.

    Am Fjord

    Winter in Nordnorwegen

    Reinefjord

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    Blick vom Reinebringen über das verschneite Reine und Hamnøy, dunkler Fjord und Schneeschauer über den Bergen der Lofoten
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    Mein Tipp

    Wanderung auf den Reinebringen

    Der Reinefjord ist vermutlich der fotogenste meiner Liste und auch in Norwegen ganz vorne mit dabei. Vom Reinebringen aus zeigt er sich von seiner schönsten Seite – die Aussicht zählt zweifellos zu den spektakulärsten in ganz Norwegen. Der Aufstieg ist jede Mühe wert.

    Trollfjord

    Vom Reinefjord sind es rund 125 Kilometer nach Nordosten bis Svolvær. Von dort führt der Raftsund nach Norden, eine 25 Kilometer lange Meerenge zwischen Lofoten und Vesterålen und eines der seeadlerreichsten Gebiete Europas. An seiner Ostseite zweigt der Trollfjord ab.

    Die Einfahrt ist knapp 100 Meter breit. Dahinter weitet sich der Fjord auf rund 800 Meter, bei einer Länge von gut zwei Kilometern — und höchstens 70 Meter tief. Darüber steht im Süden der Trolltindan mit 1.045 Metern, im Norden der Blåfjell mit 998. Tausend Meter Fels über siebzig Metern Wasser: Das ist das Verhältnis, das ihn ausmacht. Nicht umsonst heißt er auch Svartfjord, Schwarzer Fjord.

    An einer der Wände haben sich früher die großen Schiffe verewigt, die hier eingefahren sind — Name und Besuchsdatum, direkt auf den Fels.

    Wie du hinkommst

    Eine Straße gibt es nicht, der Trollfjord ist nur über das Wasser erreichbar. Ab Svolvær fahren täglich Touren hinein — RIB-Boote, Elektroschiffe, Kajaktouren. Dazu die Hurtigruten, die auf ihrer Südroute in den Fjord einbiegt und an der breitesten Stelle wendet.

    Lyngenfjord

    Lyngenfjord im sanften Winterlicht mit verschneiten Bergen und ruhigem Wasser

    Im Winter

    Ich bin im letzten Winter bis ans Ende der Straße gefahren, habe das Auto abgestellt, bin ein Stück durch den Birkenwald hinaufgelaufen und habe dort im Zelt geschlafen. Über dem Fjord lag eine Ruhe, wie ich sie selten erlebt habe.

    Das ist der Grund, warum ich hierher zurückwill. Der Lyngenfjord ist kein Ort, an dem man Programm abarbeitet — es ist einer, an dem man runterkommt. Dazu die Überfahrten mit der Fähre, Filterkaffee im Becher, draußen die Berge: für sich schon ein Erlebnis.

    Und es ist einer der besten Orte für Nordlichter, die ich kenne. Nicht weil man sie hier häufiger sieht als anderswo, sondern weil die Lyngenalpen im Vordergrund stehen. Das macht aus einem grünen Himmel ein Bild.

    LYNGEN

    Lyngen Experience Lodge

    Eine kleine Lodge mit neun Zimmern am Wasser im Norden der Lyngenhalbinsel, keine zwei Stunden von Tromsø. Sauna mit Fjordblick, Whirlpool draußen, und wer will, springt danach in den Fjord. Von November bis Ende Januar fährt das eigene Boot ab dem Hafen in Nord-Lenangen zu den Walen, im Winter gibt es geführte Skitouren mit zertifizierten Guides. Abends kocht die Küche mit lokalen Zutaten. Alles an einem Ort

    Was du dort machst

    Die Lyngenalpen sind eines der bekanntesten Skitourengebiete Norwegens, und der Grund steht in der Landschaft: Hier fährst du vom Gipfel bis ans Meer ab. Hauptsaison ist der Spätwinter, wenn die Tage wieder lang sind und der Schnee bis unten liegt.


    Dazu Huskytouren, Schneemobil, Schneeschuhwandern. Und wer die Fähre nach Norden nimmt, ist bei Skjervøy — dort ziehen im Winter die Orcas durch. Ich habe den Lyngenfjord genau deshalb gekreuzt.


    Für den Sommer: die Lyngentrappa in Lyngseidet, ein paar hundert Stufen hinauf zum Fjordblick, und die Wanderung zum Steindalsbreen-Gletscher, die mit normaler Kondition machbar ist.

    Kvænangen

    Ganz im Norden von Troms, zwischen den Lyngenalpen und der Grenze zur Finnmark, schneidet der Kvænangen ins Festland — ein weit verzweigtes Fjordsystem mit Inseln, Seitenarmen und Nebenarmen dieser Seitenarme. Über der Westseite steht die Kette der Kvænangstindan, die hier alle nur Drachenrücken nennen.

    In der Kommune Kvænangen leben 1.157 Menschen auf 2.110 Quadratkilometern. Ein halber Einwohner pro Quadratkilometer.

    Orcas

    Im RIB bei minus zwei Grad und Schneetreiben über die raue See zu fahren, ist eines der eindrücklichsten Erlebnisse, die ich von Nordnorwegen habe. Und das nicht mal in erster Linie wegen der Orcas.


    Es ist die Szenerie drumherum. Fischerboote, die irgendwo da draußen ins Schneetreiben leuchten. Die weißen Berge. Die Kälte, die einem langsam in die Knochen kriecht. Das ist Nordnorwegen pur, und die Fahrt wäre auch ohne Wale ihr Geld wert gewesen.


    Wenn dann noch Orcas neben dem Boot auftauchen, wird daraus ein Tag, den du nie wieder vergisst. Die Chancen dafür stehen hier extrem gut: Seit 2018 folgen die Orcas dem Hering bis in diesen Fjord, und Skjervøy ist damit zum Zentrum der Wal-Touren in Norwegen geworden. Hauptsaison ist November bis Januar.

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    Der Gletscher am Ende des Fjordarms

    Der zweite Grund, hierherzukommen, liegt im Jøkelfjord. An seinem inneren Ende reicht der Øksfjordjøkelen bis ans Wasser — ein Plateaugletscher von rund 39 Quadratkilometern und der neuntgrößte auf dem norwegischen Festland. Örtliche Anbieter nennen ihn den letzten Gletscher Kontinentaleuropas, der ins Meer kalbt. Am aktivsten ist er im Frühjahr, dann treiben Eisbrocken im Fjord.

    Die Touren dorthin starten ebenfalls in Skjervøy und dauern drei bis vier Stunden.

    Wann du fahren solltest

    Winter ist die Zeit, für die dieser Artikel geschrieben ist: Der Hering zieht in die Fjorde, mit ihm kommen Orcas und Buckelwale, Hauptsaison November bis Januar. Gleichzeitig Nordlichtsaison von September bis März. Die Tage sind kurz, dafür zieht sich die Dämmerung über Stunden. Wer Ski fährt, kommt im Spätwinter.

     

    Sommer ist die einfachere Reise. Die Wege sind schnee- und eisfrei, Wandern und Wildcampen gehen ohne Frostbeulen, die Bootsfahrpläne laufen täglich, und die Sonne geht wochenlang nicht unter.


    Ab Ende August werden die Nächte wieder dunkel genug für die ersten Nordlichter, während die Wege noch frei sind. Was das Wetter daraus macht, steht auf einem anderen Blatt — das gilt hier oben aber für jede Jahreszeit.

     

    Fazit

    Rekorde gegen Bedingungen

    Fahr weiter nach Norden.

    Die berühmten Fjorde wie Geiranger und Co. sind zu Recht berühmt, und niemand muss sie kleinreden. Nur hört Norwegen dort nicht auf. Weiter oben werden die Fjorde nicht größer, sie werden anders: rauer, stiller, im Winter fast unwirklich. Was hier zählt, steht in keiner Bestenliste — es sind die Bedingungen. Das Licht, das monatelang zwischen Blau und Rosa hängt. Das Wetter, das den Tagesplan macht. Und die Tatsache, dass du meistens allein bist.

    — Bjoern Templ, geschrieben in Zermatt

    Häufige Fragen zu den Fjorden in Nordnorwegen

    Durch Eis, nicht durch Wasser. Während der Eiszeiten trugen Gletscher, Schmelzwasser und mitgeführter Kies das Gestein ab und legten die Täler immer tiefer. Ein Fluss hätte bei Meereshöhe aufgehört zu graben — das Eis nicht, es schürfte unter seinem eigenen Gewicht bis weit unter den Meeresspiegel weiter. Als es schmolz, lief das Meer in den fertigen Trog. Am Sognefjord zog sich das Eis vor rund 12.000 Jahren zurück.

    Darauf gibt es keine saubere Antwort. Manche Quellen zählen über 1.700 benannte Fjorde, andere rund 1.200, wieder andere schlicht mehr als 1.000. Der Grund ist banal: Es kommt darauf an, ab wann ein Seitenarm als eigener Fjord gilt. Wer eine exakte Zahl nennt, hat sich für eine Zählweise entschieden, ohne das dazuzusagen.

    Sehr unterschiedlich. Der Sognefjord ist mit 1.308 Metern der tiefste des Landes, der Trollfjord auf den Lofoten kommt dagegen auf höchstens 70 Meter — bei Felswänden von über tausend Metern darüber. Die Tiefe hängt davon ab, wie mächtig der Gletscher war, der den Trog ausgeschliffen hat, und der war dort am größten, wo die höchsten Berge stehen.

    Sehr viele, aber vier lohnen sich besonders: der Reinefjord auf den Lofoten, der nur mit dem Boot erreichbar ist. Der Trollfjord im Raftsund, zwei Kilometer lang mit hundert Metern Einfahrt. Der Lyngenfjord in Troms, nach dem Porsangerfjord der zweitlängste Nordnorwegens, mit den Lyngenalpen daneben. Und der Kvænangen ganz im Norden von Troms, wo im Winter die Orcas durchziehen.

    In Nordnorwegen ja, von September bis März — im Sommer ist es dafür schlicht zu hell. Die Fjorde sind dabei nicht nur Kulisse: Das Wasser gibt dir freien Blick nach Norden, und die Berge dahinter machen aus einem grünen Himmel ein Bild. Der Lyngenfjord ist dafür einer der besten Orte, weil die Lyngenalpen direkt im Vordergrund stehen.

    Das hängt davon ab, was du willst. Winter heißt Orcas und Buckelwale — Hauptsaison November bis Januar — dazu Nordlichter und im Spätwinter Skitouren bis ans Wasser. Sommer heißt volle Bootsfahrpläne, offene Wanderwege und wochenlang Mitternachtssonne.

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    Hey, ich bin Bjoern. Schön, bist du hier. Seit meiner ersten Reise in den Norden habe ich eine große Leidenschaft für diese einzigartigen Regionen der Erde entwickelt. Jedes Jahr zieht es mich daher zurück in diese stillen, faszinierenden Landschaften, die eine besondere Ruhe ausstrahlen und mich tief bewegen.

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